tanja kullack

Architektur als feministische Praxis

'Intervention' bezeichnet jene Formen architektonischen Handelns, die in gesellschaftliche, politische und disziplinäre Diskurse eingreifen. Feminismus wird dabei als systemische Strategie zur Analyse und Transformation gesellschaftlicher Machtverhältnisse verstanden. Interventionen machen strukturelle Ungleichheiten sichtbar, legen Brüche und Kontroversen offen und verschieben die Grenzen architektonischer Debatten in den öffentlichen Raum.

“The truth will set you free. But first it will piss you off.”
Gloria Steinem

Architektur ist nicht neutral: Kritik, Haltung und Öffentlichkeit sind integrale Bestandteile architektonischen Handelns. Ihre gesellschaftliche Relevanz entfaltet sich nicht allein im gebauten Raum, sondern ebenso in den Diskursen, Konflikten und Aushandlungsprozessen, an denen sie mitwirkt.

Interventionen entstehen in unterschiedlichen Konstellationen und Kooperationen, innerhalb und ausserhalb von Institutionen und Organisationen und in diversen Formaten. Exemplarisch hierfür steht das an der PBSA/HSD durchgeführten Symposium ROOM AT THE TOP! – Feminist Activism as Architectural Practice. Ausgehend von Denise Scott Browns Essay 'Room at the Top? Sexism in the Star System in Architecture' untersucht das Symposium die Bedeutung feministischen Aktivismus für Architektur, Lehre, Praxis und Fachdiskurs. Hochschulpolitisch ist diese Haltung im Gender Diversity Action Team/GDAT der Hochschule Düsseldorf verankert. Das Buch 'architecture, a womens profession' ist eine publikation, die sich durchaus auch interventionistisch versteht.

Architektur ist ein Spiegel gesellschaftlicher Machtstrukturen und zugleich ein Vehikel ihrer Transformation. Die Eliminierung struktureller Ungleichheiten stellt eine intrinsische Weiterentwicklung der Disziplin Architektur im Sinne einer Demokratisierung dar.  In diesem Kontext dient der Feminismus als analytisches und transformatives Instrument, indem er kritisches Denken, Empowerment und demokratische Aushandlungsprozesse miteinander verknüpft.

ROOM AT THE TOP

Auch 35 Jahre nach Erscheinen von Denise Scott Brown’s kritischem Essay „Room At The Top? Sexism in the Star System in Architecture“ ist die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft und in der Disziplin Architektur nicht erreicht. In Zeiten multi-perspektiver Krisen und einer zunehmend dystopischen Bedrohung durch die Klimakrise scheint es nachvollziehbar, dass intersektionale Geschlechtergleichheit als Ziel unter vielen in den Hintergrund tritt. Mit dem Erstarken rechter Parteien ist eine neue, gefährliche Konfliktlinie entstanden: Antifeminismus fungiert als Teil rechtspopulistischer Diskursstrategien als Brückenideologie bis in die gesellschaftliche Mitte.

Die Beseitigung von struktureller Diskriminierung auf Basis von race, class und gender, verbessert die Disziplin im Sinne einer Demokratisierung als solche. Insofern hat feministischer politischer Aktivismus in der Architektur zum Ziel, die Verhältnisse durch die Beseitigung von Ungerechtigkeiten von Grund auf zu verändern.

Was bedeuten die politischen Entwicklungen für Gleichstellungsthemen in der Architektur und Planung? Wie kann Architektur innerhalb der Disziplin demokratische Teilhabe etablieren und fördern? Inwieweit können Paradigmenwechsel wie eine (feministische) Bauwende dazu beitragen, die Profession im Innern zu reformieren, so dass neue Ansätze im Äußeren entstehen?

Das öffentliche Symposium “Room At The Top!” adressiert die Bedeutung von feministischem Aktivismus in der Architektur. In zwei Tagen wird diskutiert und reflektiert, wie die Beziehung zwischen Architekturschaffenden und feministischem politischen Handeln in Architekturlehre, Praxis und Fachdiskurs neu definiert werden kann.

Barbara Holzer
Karin Hartmann
Tanja Kullack

special thanks:
nadine nebel
charlotte poos
eva wergzyn
anja vormann
laura oldörp
janna lichter

credits © franka brinkmeyer

Plenum ©frankapictures
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